Weiter Blick vom Balkon der 41. Etage über die Frankfurter Skyline in der Abenddämmerung, Glasbrüstung im Vordergrund
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Eine Wohnung bewerten, vier Methoden und was sie im Praxistest ergeben

Eine einzelne Eigentumswohnung lässt sich nicht über einen Stadtteil-Quadratmeterpreis bewerten. Belastbar wird es erst, wenn mehrere unabhängige Methoden zum selben Ergebnis führen: der Vergleich mit ähnlichen Einheiten im selben Haus, der Höhenvergleich, die historische Wertentwicklung seit dem Erstkauf und ein Datenpunkt aus einer nahen Etage. Für die 41. Etage im Grand Tower konvergieren diese vier Wege auf rund 14.070 Euro pro Quadratmeter auf Angebotsbasis.

Für eine Eigentumswohnung, die kein direktes Gegenstück hat, funktioniert die übliche Bewertung nicht. Ein Quadratmeterpreis für einen Stadtteil ist ein Mittelwert über Häuser, Baujahre und Etagen, und genau diese drei Merkmale erklären den größten Teil des Preises.

Ich habe für die eigene Wohnung in der 41. Etage des Grand Tower deshalb vier voneinander unabhängige Wege gerechnet und schaue, ob sie zum selben Ergebnis führen. Das Verfahren ist auf jede Wohnung übertragbar. Der konkrete Fall dient hier als Beleg, dass es funktioniert.

Die Ausgangslage

Die Einheit misst 97,24 Quadratmeter nach Neuvermessung 2026, liegt in der 41. Etage von 47, ist eine Eck-Position mit Ausrichtung City-Skyline und Süd und hat einen offenen Eck-Balkon von 13,82 Quadratmetern. Erworben wurde sie Mitte 2016 off-plan zu rund 9.605 Euro pro Quadratmeter auf der heutigen Flächenbasis.

Alle Vergleichsdaten stammen aus öffentlich einsehbaren Angeboten im selben Haus. Sieben Einheiten waren zum Zeitpunkt der Analyse gelistet, zwischen der 9. und der 40. Etage.

Methode A: bereinigter Vergleich mit einer ähnlichen Einheit

Die nächstliegende Vergleichseinheit liegt rund vier Etagen tiefer, hat 92 Quadratmeter, drei Zimmer, Ausrichtung Süd und Flughafen sowie einen kleinen Balkon, und wird zu rund 12.990 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Auf diese Basis kommen drei Zuschläge: vier Etagen Höhe, Skyline- statt Flughafenblick, großer statt kleiner Balkon. Das ergibt eine Spanne von 14.030 bis 14.550 Euro pro Quadratmeter.

Methode B: Höhenvergleich

Die zweite Vergleichseinheit liegt nur eine Etage tiefer, ist mit 118,6 Quadratmetern größer, hat aber Ausrichtung Messe und Taunus und einen kleinen Balkon. Sie wird zu rund 12.650 Euro pro Quadratmeter angeboten.

Hier entfällt der Höhenzuschlag fast vollständig, dafür wiegen Ausrichtung und Balkon schwerer. Ergebnis: 14.040 bis 14.420 Euro pro Quadratmeter.

Methode C: historische Wertentwicklung

Der dritte Weg ignoriert die Vergleichsangebote und rechnet stattdessen vom eigenen Einstandspreis hoch. Der Erstkauf lag 2016 bei rund 9.605 Euro pro Quadratmeter. Der durchschnittliche Wertzuwachs der Vergleichseinheiten im Haus seit 2016 liegt bei rund 46,5 Prozent.

Angewendet ergibt das etwa 14.076 Euro pro Quadratmeter. Mit einem bewusst konservativen Abschlag von fünf Prozent: 13.370 bis 14.080 Euro pro Quadratmeter.

Methode D: Datenpunkt aus einer nahen Etage

Der vierte Weg nutzt einen einzelnen Datenpunkt von der 39. Etage, rund 13.630 Euro pro Quadratmeter. Zwei Etagen höher, besserer Blick, großer Balkon ergeben: 13.900 bis 14.180 Euro pro Quadratmeter.

Die Konvergenz

MethodeEuro pro m²Gesamt (97,24 m²)
A, Vergleich Süd-Einheit14.030 – 14.5501.364.000 – 1.415.000
B, Höhenvergleich14.040 – 14.4201.365.000 – 1.402.000
C, historischer Uplift13.370 – 14.0801.300.000 – 1.369.000
D, Datenpunkt 39. Etage13.900 – 14.1801.352.000 – 1.379.000
Mittelwert~14.070~1.368.000

Vier Wege, die von unterschiedlichen Ausgangspunkten starten und sich auf einer Spanne von wenigen Prozent treffen. Das ist das eigentliche Ergebnis. Läge einer der vier Werte weit außerhalb, wäre die Datenbasis zu dünn und die Bewertung nicht belastbar.

Der Abschlag, den fast jeder vergisst

Alle vier Methoden stützen sich auf Angebotspreise, nicht auf beurkundete Verkaufspreise. Angebotspreise liegen erfahrungsgemäß einige Prozent über dem tatsächlich erzielten Preis, und mehrere der Vergleichseinheiten standen erkennbar länger am Markt.

Mit einem Abschlag von rund drei Prozent ergibt sich ein erwartbarer Marktwert von etwa 13.650 Euro pro Quadratmeter, also rund 1.327.000 Euro.

Wer diesen Schritt auslässt, bewertet systematisch zu hoch. Die einzige Referenz, die nicht auf Angebotsdaten beruht, ist der Gutachterausschuss für Immobilienwerte der Stadt Frankfurt am Main, der sämtliche notariellen Kaufverträge auswertet. Wie sich das Turmsegment gegen diese amtlichen Zahlen stellt, steht im Preisvergleich der Frankfurter Wohntürme.

Was daraus als Angebotspreis wurde

Festgesetzt wurde ein Angebotspreis von 1.310.000 Euro, also rund 13.472 Euro pro Quadratmeter. Das liegt etwa vier Prozent unter der Methodenkonvergenz und leicht unter dem bereits um den Abschlag bereinigten Marktwert.

Die Methodik hätte einen Angebotspreis bis rund 1.370.000 Euro getragen. Der Verzicht darauf ist eine bewusste Entscheidung: Der übliche Verhandlungspuffer ist herausgerechnet, der Preis versteht sich als Festpreis, und der Gegenwert ist eine zügige und saubere Abwicklung statt langer Standzeit. Eine der Vergleichseinheiten steht erkennbar seit längerem ohne Preisänderung am Markt, was genau das Risiko zeigt, das eine Überpreisung erzeugt.

Warum der Preis dreigeteilt ist

Der Gesamtpreis besteht aus drei getrennten Positionen: die Wohnung zu 1.310.000 Euro, der Tiefgaragenstellplatz zu 40.000 Euro und Möbel, Küche und Einrichtung zu 20.000 Euro.

Die Trennung ist kein Marketing, sondern steuerlich relevant. Auf Möbel, Küche und Einrichtung fällt keine Grunderwerbsteuer an, wenn die Position sauber getrennt ausgewiesen ist. Bei einem Steuersatz von sechs Prozent in Hessen ist das ein unmittelbarer Vorteil für den Käufer. Der Stellplatz ist ein eigenständiges Wirtschaftsgut und marktgerecht angesetzt; eine andere Einheit im Haus bietet ihren Stellplatz derzeit zu 45.000 Euro an.

Die vollständige Kostenseite, einschließlich Nebenkosten und laufendem Wohngeld, steht in den Grand-Tower-Preisen, die Renditeseite im Leitfaden zur Kapitalanlage.

Was sich davon übertragen lässt

Drei Punkte gelten unabhängig von diesem Haus:

Warum eine Bewertung überhaupt offengelegt wird, statt sie als Verhandlungsvorteil zu behalten, hängt mit der Verkaufsform zusammen. Wie ein Verkauf abseits der Portale abläuft, steht im Leitfaden zum Off-Market-Verkauf und im Hub Privatverkauf; wie der diskrete Markt in Deutschland insgesamt funktioniert, im stillen Markt.

Die Wohnung selbst steht auf der Seite zur 41. Etage. Die vollständige Analyse mit allen Vergleichsdaten stelle ich Kaufinteressenten auf Anfrage zur Verfügung, über das Anfrageformular auf der Startseite.

Häufig gestellte Fragen

Wie bewertet man eine Eigentumswohnung richtig?
Nicht über einen Quadratmeterpreis für den Stadtteil. Belastbar wird eine Bewertung, wenn mehrere unabhängige Methoden zum selben Ergebnis führen: der bereinigte Vergleich mit ähnlichen Einheiten, die historische Wertentwicklung seit dem Erstkauf und ein Datenpunkt aus vergleichbarer Lage. Weichen die Methoden stark voneinander ab, fehlen Vergleichsdaten.
Was ist der Unterschied zwischen Angebotspreis und Verkaufspreis?
Der Angebotspreis ist die Forderung, der Verkaufspreis das notariell beurkundete Ergebnis. Angebotspreise liegen erfahrungsgemäß einige Prozent über dem tatsächlich erzielten Preis. Wer eine Bewertung ausschließlich auf Angebotsdaten stützt, muss diesen Abschlag herausrechnen, sonst bewertet er zu hoch.
Warum sind Portal-Bewertungen für hochwertige Wohnungen unbrauchbar?
Weil sie mit Durchschnitten für Postleitzahlen arbeiten. In einem Wohnturm erklären Etage, Ausrichtung und Balkontyp den größten Teil des Preises, und keines dieser Merkmale steckt in einem Stadtteil-Mittelwert. Für eine Einheit ohne direktes Gegenstück im selben Haus ist ein solcher Wert bedeutungslos.
Warum werden Möbel und Stellplatz getrennt bepreist?
Weil sie rechtlich nicht Teil der Immobilie sind. Auf Möbel, Küche und Einrichtung fällt keine Grunderwerbsteuer an, was den Käufer entlastet, wenn diese Position sauber getrennt ausgewiesen ist. Ein Tiefgaragenstellplatz ist ein eigenständiges Wirtschaftsgut und wird deshalb ebenfalls separat bewertet.
Was bedeutet ein Festpreis beim Wohnungsverkauf?
Dass der übliche Verhandlungspuffer nicht aufgeschlagen wurde. Wer über dem begründbaren Marktwert einsteigt, plant Nachlässe ein und riskiert lange Standzeit. Wer bewusst darunter einsteigt, verzichtet auf den Puffer und erwartet dafür eine zügige, saubere Abwicklung.

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